Planeten und Tierkreis

Die Sprache der Planeten und des Tierkreises als Kulturaufgabe

„Das, was Geisteswissenschaft als ein wirkliches, echtes Gut enthält, ist im Grunde genommen durch okkultes Lesen und okkultes Hören erworben.“
Rudolf Steiner, Okkultes Lesen und okkultes Hören (GA 156), 3.10.1914

In Zukunft wird die Geisteswissenschaft zu einer Sprache werden, die über alle Grenzen hinweg eine Verständigung unter Menschen ermöglicht. Ihrem inneren Wesen nach ist die Anthroposophie, wie die Musik, eine Sprache, die allen Menschen gemeinsam ist. Sie führt uns stufenweise zu einem „musikalischen“ Auffassen der Welt im Sinne der Erfahrung des „inneren Wortes“.

Noch im Mittelalter, beispielsweise bei Alanus ab Insulis, gab es ein Bewusstsein von der verborgenen Sprache. In der frühen Neuzeit schrieben Paracelsus und Jakob Böhme von ihr. Heute ist es die Anthroposophie, die dem Menschen die wahren Namen der Dinge offenbart. Mit unserer Arbeit möchten wir dazu beitragen, dass Wissenschaft, Kunst und soziales Leben von der Dimension des inneren Schöpferwortes berührt werden. Wir sehen darin die zentrale Kulturaufgabe unserer Zeit. Dieses Ziel kann jedoch nur erreicht werden, wenn Anthroposophie nicht „Wissen“ bleibt, sondern aus einer neuen Empfindungsgrundlage heraus zum „Können“ wird. Das Wesen Anthroposophie will heute durch den Menschen „hindurchgehen“. Es möchte den Weg vom Kopfbewusstsein zum Herzen und schließlich zum Erkennen mit dem ganzen inneren Menschen vollziehen.

Durch eine solche Verinnerlichung wird der Ätherleib des Menschen immer mehr zum Auffassungsorgan für die gestaltenden Kräfte der Planeten. Sie sind die Vokale des inneren Wortes. Schließlich werden uns bei fortschreitender Schulung durch den Gestaltzusammenhang des physischen Leibes die Tierkreiswirkungen bewusst. Sie sind die Konsonanten des inneren Wortes. So wird schließlich der ganze Mensch zum Instrument und Spiegelungsorgan, durch welches der Geist in der Seele erklingen kann:

„Das ist das Ideal, das uns vorschweben muss: Vergessen des Organismus, so wie er uns auf dem physischen Plane erscheint, und dafür ihn benützen können als Spiegelungsapparat für die Geheimnisse des Kosmos.“
Rudolf Steiner: Okkultes Lesen und okkultes Hören (GA 156), Vortrag vom 20.12.1914