Anthroposophischer Schulungsweg

„Wenn wir in der Natur das Seelische mitempfangen lernen mit der Sinnesanschauung, dann werden wir das Christus-Verhältnis zur äußeren Natur haben. Da wird das Christus-Verhältnis zur äußeren Natur etwas sein, wie eine Art geistigen Atmungsprozesses.“
Rudolf Steiner, GA 194, 30.11.1919

Die ersten Schritte der geistigen Forschung beruhen auf der Fähigkeit, in Anknüpfung an die Sinneserfahrung ein seelisch-geistiges Nachbild in der Seele entstehen zu lassen. Von diesem Nachbild ausgehend setzen wir einen Lebens- und Empfindungsprozess in Gang, der das Wesenhafte stufenweise zum Vorschein bringt. So entbinden wir auf schöpferische Weise den Geist, der in jeder Sinneswahrnehmung schlummert. Wir „stimmen“ unsere Seele so, dass sie zum aktiven Auffassungsorgan für die Tätigkeit des Geistes wird, der überall im Hintergrund der Sinneswahrnehmung am Werk ist. Wir lernen, im Inneren der Welt zu lesen und zu hören.

Im herkömmlichen Wissenschaftsprozess werden Vorstellungen und Begriffskonstruktionen meist seelenlos zu den Wahrnehmungen hinzugefügt und somit vom Menschen wie verbrauchte Luft „ausgeatmet“. Durch den Schulungsweg können wir durch eine Art „geistig-seelischer Atmung“ etwas innerlich Lebendiges in die Welt bringen. Wir bringen durch Imagination, Inspiration und Intuition die in den Sinneseindrücken verborgenen Weltgedanken ans Licht.

Damit dies gelingt, muss in Denken, Fühlen und Wollen das Leibfreie vom Leibgebundenen unterschieden werden. Sonst werden die Nachbilder durch leibgebundene Kräfte und Emotionen verfälscht. Ein Veredelungsprozess des Denkens, Fühlens und Wollens ist für die Nachbildentwicklung unverzichtbar. Durch die Unterscheidung entwickelt sich nicht mehr nur der Kopf, sondern der ganze innere Mensch zum Erkenntnisorgan. Als Grundlage dienen das anthroposophische Studium in Verbindung mit Übungen der Selbsterziehung und der Lebensverarbeitung, wie z.B. den Nebenübungen.

Das hat zur Folge, dass die vorher unbewusste Lebensführung des Menschen nun zunehmend in Selbstführung und selbstverantwortliches Handeln übergeht. Die Kräfte des Denkens, Fühlens und Wollens werden an der Schwelle von ihren unbewussten Verhaftungen und Gewohnheiten befreit und vom Bewusstsein her neu belebt. Die Seele empfindet und „hört“  ihr höheres Selbst im Umkreis und lernt, aus einer solchen Empfindungsgrundlage heraus in der Welt zu wirken. In ihr wird das Schöpferwort geboren.

Dabei gibt es folgende Arbeits- und Forschungsschwerpunkte:

  1. Studium der Anthroposophie und Arbeit an den Seelenkräften des Denkens, Fühlens und Wollens
  2. Die Auseinandersetzung mit dem Doppelgänger und den leibgebundenen Kräften
  3. Der Lichtseelenprozess – Arbeit an Elementen- und Ätherkräften im seelischen Leben
  4. Die „Ätherisation des Blutes“ und die Neubildung von Lebenskräften
  5. Die christologische Dimension des Schulungsweges